Das Restaurant liegt aktuell auf Platz 28 in der Liste "The World's Best Restaurant 2014" - Wahnsinn - die Erwartungen sind natürlich hoch!
Das Wochenende beginnt bereits mit einer persönlichen Begrüßung in Form einer Karte von Herrn Elverfeld auf dem Hotelzimmer mit selbstgemachten Pralinen. Das macht bereits Lust auf mehr - eine tolle Einstimmung.
Wir betreten das Restaurant, das sehr schlicht eingerichtet ist und bekommen einen Platz am Fenster mit Blick auf die Werksanlagen von VW, die toll beleuchtet werden am Abend. Die Service-Kräfte stehen in hoher Anzahl bereit und helfen uns Platz zu nehmen und übernehmen das Schieben der Stühle. Auch wenn man zwischendurch auftsteht, wird einem immer wieder in den Stuhl "geholfen".
Unser Menü steht bereits vorab fest, da es Bestandteil eines Arrangements ist. Andere Gäste können heute wählen zwischen einem 4- bis 9-Gänge-Menü, das bei 160€ beginnt und bei 230€ aufhört - je nach Zusammensetzung. Wir bekommen unser Menü abgedruckt, ebenfalls mit persönlicher Begrüßung, in einer Karte.
In einem Sterne-Restaurant werden eigentliche 5 Gänge ja schnell zu mehr, da es ergänzt wird durch diverse Grüße aus der Küche. Unser eigentliches Menü beinhaltet:
Gänseleber "Müsli"
Hüttenkäse, Joghurt, Cerealien, Früchte & Mandeln
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Bachforelle aus der Lüneburger Heide
Rauch-Brandade, Granny-Smith, Meerrettich & Toast
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Champagner Cremesorbet
"Edition Ruinart Rosé"
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Müritzer Lammrücken in Heu gegart
Bries, Zunge, Aubergine, Stengelkohl & geräucherter Rettich
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Ganache von weißer Schokolade "Opalys" mit schwarzem Tee
Feige & Bergamotte
Als Aperitif können wir wählen zwischen Champagner und anderen interessant klingenden Variationen. Ich entscheide mich für einen Perlwein mit Birne - ich weiß leider nicht mehr wie er heißt - aber der war wirklich große Klasse. Aus meiner Sicht eine perfekte Mischung zwischen Süße und Säure.
Wir entscheiden uns für eine begleitende Weinreise, ich nehme zu Beginn ebenfalls einen Schluck Wein und steige dann auf eine alkoholfreie Begleitung um, die auch tolle Überraschungen bereit hält. Ich erhalte verschiedene Säfte - gemischt oder pur - eine tolle Alternative. Selten so leckere Saftvariationen getrunken.
Der Abend beginnt mit dem ersten Gruß, der wie alle anderen Gerichte immer gemeinsam serviert wird, so dass alle Gäste am Tisch gleichzeitig ihr Essen erhalten.
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Kalamata Olive Tacos mit Wolfsbarsch und Tatar |
Viele der "Grüße" werden auf oder in Glas(!?)blöcken serviert, die bereits einen sehr futuristischen Eindruck machen. Wir bekommen eine karamellisierte Kalamata-Olive (eine Spezialität von Sven Elverfeld) und zwei verschiedene Tacos, die einmal mit "Ceviche" vom Wolfsbarsch und Kaktus und einmal mit Tatar "Chili con Carne" belegt sind. Hier explodieren bereits das erste Mal die Aromen im Mund - sehr spannende Zusammenstellungen und sehr lecker.
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Tomaten-Focaccia, Baguette und Hafertaler |
Danach bekommen wir drei verschiedene Sorten Brot und salzige Butter gereicht. Das Brot liegt in einer Schale, die mit heißen Steinen gefüllt ist, so dass das Brot auch nach langer Zeit noch warm ist. Die spitzen Baguette-Stangen sind genau so frisch und lecker wie das Focaccia und die Hafertaler. Da es von jeder Sorte zwei Stück gibt, teilen wir auf drei Personen auf, damit alle alles probieren können. Das wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, denn das Brot wir nachgereicht als die Schale droht leerer zu werden.
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Suppenshots Rotkohl & Gewürzapfel Kefir, Gelbe Beete & Dill |
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Chicken-Burger "Tandoori" |
Gemeinsam mit der Suppe bekommen wir den kleinsten Burger präsentiert, den ich je gesehen habe. Der Burger ist vielleicht so groß wie zwei Oliven nebeneinander. Wahnsinn! Wie bekommt man so kleine Brötchen gebacken und dann noch so exakt "befüllt" mit den Zutaten? Der Burger hat eine leichte Schärfe und bringt einen gedanklich eher in den asiatischen/indischen Raum, nachdem man gerade gelbe Beete und Rotkohl in Deutschland verortet hatte.Toll!
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Gelbflossenmakrele, Guacamole, geräucherter Maisschaum & schwarzer Quinoa |
Ein Mousse oder Creme aus Zutaten, die wieder eine tolle Kombination ausmachen und eher etwas säuerlicher sind als die bisherigen Speisen. Von den "Einstimmungen" für mich im Vergleich der unspannendste Gang. Soweit man das auf so einem Niveau überhaupt sagen kann und darf, denn geschmacklich ist es wieder excellent.
Nach diesem Gruß startet das eigentliche Menü mit der ersten Vorspeise. Wir bekommen eine sehr große Portion Gänseleber, die bedeckt ist von Müsli-Zutaten und ebenfalls einen Deckel aus einer Zuckermasse enthält, ähnlich wie die Olive zu Beginn. Für sich genommen klingt es nach einer gewöhnungsbedürftigen Kombination. Doch wenn man von allem etwas auf seiner Gabel hat, passt es sehr gut zusammen und schmeckt toll. Aufgrund der Größe der Portion wird es dann aber fast ein bisschen viel davon - die hätte auch etwas kleiner ausfallen können, finde ich.
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Gänseleber "Müsli"... |
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... mit Hüttenkäse, Joghurt, Cerealien, Früchte & Mandeln |
Danach bekommen wir eine unglaublich zarte, fast auseinander fallende Bachforelle in einem tiefen Teller serviert mit einer Bouillon, die unglaublich exakt geschnittene Apfel-Würfel enthält - Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie lange jemand wohl allein nur diese exakten Würfel gebraucht hat... ;-) Beeindruckend!
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Bachforelle... |
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... mit Rauch-Brandade, Granny Smith, Meerretich & Toast |
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Heißes (!) Erfrischungstuch |
Um die Geschmacksknospen bzw. den Gaumen zu neutralisieren bekommen wir vor dem Hauptgang noch ein Champagner-Sorbet gereicht aus dem Hause Ruinart. Und auch wenn es "nur" das Sorbet ist, ist es definitiv eines der Highlights des Menüs. Wir bekommen im Vergleich zu dem bisherigen weißen, sehr feinen Geschirr einen Teller serviert, auf dem ein Holzbrett liegt, in dem ein Stück Glas eingefasst ist. Erst bei näherer Betrachtung und Erläuterung des Service-Personals fällt auf, dass es sich bei dem Glas um den Boden einer Ruinart-Flasche handelt. Die Flasche wurde im Bauch durchtrennt, abgeschliffen und die Mulde der umgedrehten Flasche dient nun als Schüssel für das Sorbet. Erst noch abgedeckt mit einem Label, das mit einer Pinzette vom Service entfernt wird. Und dieses Sorbet ist ein Traum! Es ist total cremig und frisch zugleich und schmeckt wirklich nach dem Rosé, den wir auch als Aperitif hätten haben können. Sowohl Geschmack als auch Präsentation verdienen ein Wort: Wow!
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Champagner Cremesorbet II |
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Champagner Cremesorbet I |
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Hauptgang I Bries, Zunge, Aubergine, Stengelkohl & geräucherter Rettich |
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Hauptgang II Müritzer Lammrücken in Heu gegart |
Über die Größe des Fleischs bin ich allerdings überrascht. Dafür, dass es sich jetzt um den Hauptgang handelt, hätte ich etwas mehr erwartet. (Nicht, dass ich Sorgen hätte nicht satt zu werden, absolut nicht. Aber im Vergleich zu den anderen Speisen merkt man hier nicht, dass das Hauptgericht vor einem steht, finde ich).
Das Fleisch ist unglaublich zart und sehr lecker. Einige der Beilagen empfinde ich jedoch als deutlich zu salzig und kann es nicht so richtig genießen. Dies ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt an dem ganzen Essen. Ansonsten überzeugt auch das Hauptgericht mit den einzelnen Bestandteilen.
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Haupt-Dessert I |
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Haupt-Dessert II |
Und da ein Dessert NATÜRLICH nicht ausreicht :-) startet nach unserem offiziellen 5-Gang-Menü das "Süße Finale" mit drei weiteren Komponenten, das uns in unserer Karte bereits angekündigt wird.
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Banane, Sanddorn & Safran |
Der Safran in der gelben Crème passt unglaublich gut zu der Banane (weiße Gebilde) - Sanddorn ist nicht so meins, stelle ich fest. Zusätzlich versteckt sich noch Crunch auf dem Teller, der sehr gut zum Rest passt.
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Macaron "Jaffa" I |
;-)
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Quitte, Marone & Hagebutte |
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Macaron "Jaffa" II |
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Pralinen-Auswahl auf eigenem Wagen |
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Kokos, Baileys, Macadamia, Kakao |
Diesen Wagen gibt es übrigens auch noch einmal in der "Käse-Variante", das jedoch nicht zu unserem Menü gehört.
Nun sind wir aber auch wirklich komplett abgefüllt. Nach so vielen Speisen, auch wenn sie teilweise gar nicht besonders groß sind, summiert es sich doch und ich fange langsam an das Menü Revue passieren zu lassen. Doch selbst, wenn ich schon genügend Süßes hatte, kann ich natürlich in so einer Situation nicht auf die Bestellung eines Kakaos verzichten. Ich werde schon fast ein bisschen irritiert angeguckt neben all den Espresso-Bestellern, aber ich spare mir es zu erläutern ;-)
Zum Kaffee/Kakao gibt es eine Zusammenstellung aus verschiedenen Zuckerarten, einem Milchkännchen mit (natürlich!) lauwarmer und drei selbstgemachten und gedrehten Keksröllchen - sehr lecker. Der Kakao selbst scheint mir mit Sahne gemacht zu sein und ist sehr dickflüssig, aber er ist nicht zu süß und schmeckt gut.
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Kakao |
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Zucker und warme Milch mit Keksrollen |
Nach mehreren Stunden erlebnisreichen Essens geht der Abend zu Ende. Es war ein tolles Erlebnis, dieser Umgang mit den Produkten ist beeindruckend und auch was daraus entstehen kann. Der Preis für die Getränke finde ich persönlich zu viel und macht den Abend erst richtig teuer - den Preis für das Menü finde ich definitiv angemessen. Ich habe bisher in meinem Leben noch nicht so exklusiv gegessen!
Die Toilette ist ein paar Schritte außerhalb des Restaurants im Hotelgang und somit im Stil des gesamten Hotels enthalten und bietet einige kleine Annehmlichkeiten, die eine Frau brauchen könnte. Im Gegensatz zum obligatorischen Haken gibt es hier in der Kabine richtig ein kleines Tischchen, wo man seine Tasche abstellen kann.
Fazit: Um sich einen besonderen Abend zu gönnen kann ich das aqua definitiv empfehlen. Nichts für jeden Tag, schon alleine aufgrund des Preises. Aber für mich war es definitiv ein Erlebnis und ich möchte sehr gerne einmal wieder kommen.
Der Service im Restaurant war excellent, im Gegensatz zum Hotel. Dadurch, dass das Restaurant direkt im Hotel liegt, muss man sich auch über den Heimweg keine Gedanken mehr machen, auch sehr angenehm!
Ich bin gespannt, was ihr zu diesem Roman sagt! Ich hoffe, dass ich schon bald einen neuen Stern hier im Blog begrüßen kann - die Reise hat erst begonnen...
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