Heute war ich im Restaurant
Schwerelos in Harburg. Es wirbt damit, dass das Essen über den Köpfen der Besucher Achterbahn fährt.

Im ganzen Restaurant verlaufen silberne Schienen, auf denen Töpfe und Getränke umher schwirren. Man sitzt mit mehreren Gästen an einem Tisch - wir sind zu zweit und sitzen gemeinsam vor einem Bildschirm, über den wir alles bestellen können, was die Karte hergibt... Eine nette Idee, aber auch ein wenig unkommunikativ, da man sich nicht richtig gegenüber sitzt, sondern die ganze Zeit auf den Bildschirm start.

Auf die Frage, ob uns die Kellnerin noch einmal erklären kann, wie das System abläuft, antwortet sie, dass das ja genau das gleiche wäre, was sie gerade unseren Gegenübern erklärt hätte - wohlbemerkt liegt dazwischen die "Achterbahnkonstruktion", so dass wir es nicht verstehen konnten. Schon fast gelangweilt gibt sie uns eine kurze Einweisung.
Wir bestellen an den Bildschirmen etwas zu Trinken und eine Vorspeise: Ciabatta mit Aioli (4,28 €) und eine "knackige Salatmischung" (5,05 €). Wir wundern uns über die krummen und auch stolzen Preise - z.B. Steakhüfte für 16,08 € ohne jegliche Beilagen.
Nach kurzer Zeit sehen wir Töpfe und Getränke zu uns fahren - alle Bestellungen eines Tisches enden an einer Stelle des Tisches und können dann zum Platz gedreht werden. Unter dem Tisch kann man sich Teller, Besteck, Gläser nehmen und auch das schmutzige Geschirr zurück stellen.
Jetzt haben wir das erste Mal Kontakt mit Essen aus Töpfen - die Töpfe sind klein und silber (haben auch schon die ersten Macken) und kommen "verpackt" mit Deckel, Griffschonern und Klebezettel mit der Platzzuordnung. Das Aioli kommt im Weckglas, der Salat ist "0815" - nichts besonderes. Es folgen noch Geschnetzeltes mit Pilzen (8,91 €), plus Spätzle (3,92 €), Cordon Bleu (9,76 €), plus Kartoffelgratin (4,44 €), plus Bohnen (3,99 €), teilweise wirklich gute, große Portionen.
Die Hauptgerichte füllen wir auf Teller um, die wir uns aus der "Mitte" genommen haben, aber trotzdem können wir uns nicht so recht an die Töpfe gewöhnen. Es wirkt dadurch alles ein bisschen "billig" und "hingeklatscht".
Zusätzlich trägt die gesamte Atmosphäre nicht viel dazu bei, um sich wohl fühlen zu können. Die Halterungen, auf denen Töpfe und Getränke transportiert werden, fallen nach gewisser Zeit in eine Tonne, die direkt neben uns steht. Ich erschrecke mich jedes Mal wieder und zusätzlich sieht aus wie eine Müll-Tonne. Von allen Gästen am Tisch wird, wie "befohlen" das dreckige Geschirr in die drehbare Mitte gestellt. D.h., wenn man nicht gerade auf den Bildschirm guckt, sondern daran vorbei, guckt man auf das dreckige Geschirr von sich und den anderen. Auch wenn die Bedienungen bemüht sind das zügig zu leeren - appetitlich ist das nicht!

Wir gönnen uns noch einen Nachtisch, obwohl wir eigentlich schon satt sind. Ich nehme "natürlich" den warmen Schokoladenbrownie :-) (man sollte denen noch einmal sagen, dass ein Brownie etwas anderes ist) für 5,94 € und meine Freundin eine Sweet Calzone "Nougat-Chocolate" (5,39 €). Wieder kommt beides im Topf und das, was bei mir warmer Schokoladenkuchen oder Schokoladenmalheur heißt, sieht etwas befremdlich aus in dem Servierring in dem Topf, schmeckt aber sehr lecker, als ich es auf den Teller bugsiert habe. Die Sweet Calzone schmeckt auch gut!

Fazit: Das Essen schmeckt nicht schlecht, aber das "Event" steht klar im Vordergrund und verdirbt somit das kulinarische Erlebnis. Es wirkt nicht rund und durchdacht. Der Laden ist riesig und sehr wenige Tische sind nur besetzt. Durch das Sitzen am runden Tisch und die ruhige Stimmung lädt das Restaurant nicht gerade zum Verweilen ein. Ich werde nicht noch einmal wiederkommen.